Im Dezember 2025 wurde erneut die Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) gewählt. Sie ist ein Gremium aus 108 Haupt- und Ehrenamtlichen unserer evangelischen Kirche und gehört neben dem Landeskirchenrat, dem Landesbischof und dem Landessynodalausschuss zu den vier kirchenleitenden Organen in Bayern. Die Landessynode wird von allen stimmberechtigten Kirchenvorstehern in Bayern gewählt. In der zweiten Amtsperiode vertritt dort Dr. Daniela Senger aus Pegnitz neben Klaus Bauer aus Nemmersdorf den Dekanatsbezirk Bayreuth als Ehrenamtliche. Vom 22.03.-26.03.2026 fand die erste Tagung der Landessynode der neuen Wahlperiode in Bayreuth statt.
Wir gratulieren Dr. Daniela Senger herzlich zu ihrer Wiederwahl und wünschen ihr für diese Aufgabe alles Gute und Gottes Segen.
Im Folgenden haben wir ihr ein paar Fragen gestellt:
Was sind die Aufgaben einer Landessynodalin?
Im Team mit den anderen kirchenleitenden Organen werden Strukturprozesse in unseren Gemeinden bedacht und es wird versucht, inhaltliche Schwerpunkte für die Zukunft zu setzen. Der Jahreshaushalt wird verabschiedet, Gesetze erlassen und Eingaben und Vorlagen bearbeitet. Das bedeutet in erster Linie zweimal im Jahr während der Synodaltagungen im Frühjahr (Themensynode) und im Herbst (Haushaltssynode) lange Sitzungen bis spät in die Nacht, wenig Schlaf, Eindenken in verschiedene Prozesse und Fragestellungen unserer Kirchengemeinden und Lesen und Vorbereiten von unzählig vielen Texten. Es bedeutet aber auch, als Ehrenamtliche/r mitgestalten zu können, viele sehr verschiedene Menschen und Sichtweisen kennenzulernen und ganz viel Freude in der Gemeinschaft bei tollen Gottesdiensten, in hitzigen Diskussionen und in guten Gesprächen zu haben.
Was hat Dich motiviert, erneut für die Landessynode zu kandidieren?
Für mich ist es ein großes Geschenk, dass in unserer evang.-luth. Kirche Haupt- und vor allem auch Ehrenamtliche gemeinsam die Zukunftsprozesse unserer Kirche gestalten dürfen. Besonders den Ehrenamtlichen wird (allein schon durch ihre Zahl in der Synode) ein hoher Stellenwert eingeräumt, welchen es gilt zu nutzen. Kirche in unseren Gemeinden wird auch in Zukunft nur mit engagierten Ehrenamtlichen vor Ort funktionieren, geleitet, unterstützt und gecoacht durch Hauptamtliche und in einem guten Miteinander. Deshalb ist es so wichtig, dass Ehrenamtliche ihre Stimme auch in Leitungsprozesse einbringen. Für mich als völlig andere Berufsgruppe ist diese Außensicht auf innerkirchliche Anliegen spannend, gleichzeitig aber auch herausfordernd und durch den notwendigen Abstand häufig sehr erfrischend. Ich bin wieder angetreten, um die Sichtweise unserer Gemeinden auf dem Land einzubringen, gleichzeitig aber auch, um vor dem Hintergrund der sich wandelnden Bedingungen mitzuarbeiten, dass Kirche in größeren Strukturen gut funktionieren kann.
Was sind die größten Herausforderungen der nächsten 6 Jahre?
Die allergrößte Herausforderung wird es sein, trotz Mitgliederrückgängen, geringerer Finanzen und eines gesellschaftlichen Wandels unseren christlichen Glauben zu leben und für die Menschen erlebbar zu machen. Dabei wird nicht alles so bleiben können wie bisher. Um auch auf dem Land noch eine hauptamtliche Ansprechperson zu haben, müssen wir in größeren Strukturen denken. Es wird eine Gradwanderung, Neues zuzulassen und gleichzeitig liebgewonnene Traditionen zu bewahren. Ich sehe es als Aufgabe der kirchenleitenden Organe, uns als Menschen in unseren Gemeinden oder dann Pfarreien, Regionalgemeinden, Dekanatsbezirken etc. mitzunehmen in diesen Reformen und keine streng reglementierten Entscheidungen, fernab von der Realität zu treffen. Vielmehr sollte unterstützt werden, was regional gut funktioniert, es sollten Gestaltungsspielräume bleiben, um individuelle Entscheidungen zu treffen und nur der personelle und finanzielle Rahmen vorgegeben werden.
Welche Themen stehen in der zukünftigen Synodalperiode an?
Neben der inhaltlichen Gestaltung des neuen Landesstellenplans wird uns vor allem die Immobilienkonzeption- also wie wir mit unseren Gebäuden und Kirchen umgehen- beschäftigen. Dabei ist wieder ein Mittelweg wichtig, Orte der Begegnung und der Ruhe zu erhalten, gleichzeitig aber Kirche auch vielfältiger, unkonventioneller und gesellschaftlich übergreifend zu denken. Da braucht es kreative und einfühlsame Lösungen. Am allerwichtigsten wird es aber sein, den Sinn unseres christlichen Glaubens immer im Fokus zu sehen und uns an unseren Werten zu orientieren. Unseren Glauben an Jesus Christus und die bedingungslose Liebe Gottes zu uns verwaltenden, denkenden, planenden und manchmal auch irrenden Menschen dürfen wir nicht aus den Augen verlieren.
Liebe Daniela, vielen Dank und immer einen klaren Kopf in hitzigen Diskussionen und schwierigen Entscheidungen.
Das Interview führte Präsidin der Dekanatssynode Dr. Christine Senger